Die Natur im Bilde der Photographie.
Ein neuer Tag beginnt.
So vollkommen still war die Nacht und von so seltsamer Ruhe...
In dieser stillen Nacht beginnt die Dämmerung langsam und beharrlich heraufzuziehen.
Das Licht erhebt sich allmählich über den Horizont und zeigt die herrliche Morgendämmerung mit ihren sanften Schattierungen von Silber, Rosa und Lavendelblau.
Die ersten Sonnenstrahlen, die Weiten des Raumes durchwandernd, berühren sanft die Atmosphäre der Erde und senken sich langsam tiefer in die Schatten und die dunklen Gefilde, bis alles vom Licht der Sonne erfüllt ist. Ein feierliches Ritual des verströmenden Moments der Ewigkeit.
Wärme breitet sich aus, mit dem Empfinden namenloser Gegenwart, die die Geborgenheit liebender Nähe und Verbundenheit schenkt.
Es ist ein Sonnenaufgang, den es niemals vorher gab und den es nie wieder geben wird.
Am Tage offenbart uns die Natur ihr lichtvolles Antlitz, das als verborgene Saat in der Nacht schlummerte - eine faszinierende Welt. Wunder des Lebens, das sich unaufhörlich entfaltet. Ein kostbares Juwel der Schöpfung, das uns einlädt, in der Begeisterung und ganzen Fülle zu sein.
Jeder gegenwärtige Augenblick spiegelt die unaussprechliche Schönheit, Ausdruck des natürlichen Seins, die Vorstellungskraft des Geistes übersteigend.
Und wenn in der Stille der Abenddämmerung, wo sich zart die Strahlen des Alten zurückziehen, der magische Mond den Raum durchdringt, ist die Atmosphäre von der Woge erfüllt, die er uns von der Sonne spiegelt. Bilder, Eindrücke und Stimmungen des Vorhergehenden sich allmählich im Raum der Stille auflösend.
Es tut sehr wohl, ehrfürchtigen Herzens allein mit dem dunklen Himmel, den Sternen und klarem Mondlicht zu sein.
Von diesem Reichtum begeistert hat es mich von früher Jugend angetrieben, diese Schönheiten zum Ausdruck zu bringen. Geniale Naturfotografen inspirierten mich und ein instinktives Gespür führte mich in die faszinierende Welt der Fotografie, insbesondere der Naturfotografie.
Es ist vielleicht das liebevolle Annehmen dieses Seins, das mich noch heute leidenschaftlich mit der Kamera herumtreibt.
Die wunderschönen Landschaften, die einmaligen Formen, die veränderlichen Licht-Sensationen, die atmosphärischen Stimmungen, Lichter der Sterne in unvorstellbarem Raum…ja…die kosmische Bildsprache von Himmel und Erde….
Was alles an Schönem, Großem und Besonderem in allem steckt......
Beim Betrachten der Natur in stiller Anteilnahme werden Gefühle geboren, Gefühle ehrfürchtigen Staunens.
Und wie darzustellen…?
Sehr schnell stößt man an seine Grenzen, denn das Wesentliche eines einzigartigen Momentes darzustellen, ist eine große Herausforderung. Das Potenzial einer Szene zu erkennen, die beste Perspektive zu finden, die rechte Zeit abzuwarten, sich den fertigen Abzug vorzustellen und alle zur Verfügung stehende Werkzeuge zu nutzen, um ein durchwegs zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen…
Naja, die Technik, auch wenn sie wichtig ist, ist immer nur der erste Schritt…wenn man mit Belichtungs- und Kontraststeuerung usw. umgehen kann, hilft das schon, die Ideen zu verwirklichen.
Aber an allererster Stelle braucht man erst mal eine Idee
Die Original-Idee selbst ist schon in jedem Motiv enthalten. Diese Idee ist der Urgedanke, das Urbild, das Wesenhafte jeder Erscheinung. Man könnte es auch als Seele einer Naturerscheinung wahrnehmen.
Beispiel: eine Blume – wenn die Knospe aus dem Stiel hervortreibt und sich schließlich zur Blüte öffnet – sie gehorcht dem Drängen, die Idee auszudrücken die in ihrer Seele verborgen ist.
Auf dieselbe Weise wird die ganze Natur, in aller Herrlichkeit ihrer Vollkommenheit, aus der Seele herausgebildet.
Diese Idee wahrzunehmen und die Quintessenz herauszuarbeiten ist eine große Herausforderung.
Es kommt sehr oft vor, daß sich die innere Idee dem Zugriff entzieht.
Eine harmonische Bildgestaltung lässt sich mathematisch definieren, aber ich verlasse mich auf mein Gefühl....
Die Reduktion auf das Notwendigste ist stets meine Intention; die besten Kompositionen enthalten nur das Wichtigste eines Objektes oder temporären Stimmung, mehr nicht…je weniger Elemente, desto besser….
Die wichtigste Eigenschaft eines Bildes ist dessen emotionelle Wirkung.
Kaum ein Medium vermag so intensiv Eindrücke und Emotionen zu transportieren wie eine Fotografie. Doch das Essentielle ist nur im Herzen wahrnehmbar und unsichtbar für das Auge.
Ob Schwarz/Weiß oder Farbe, es bleibt nur ein äusseres Abbild der Realität.
Wie auch immer Bilder beurteilt werden, man kann sie nicht außerhalb von sich selbst wahrnehmen. Die Schönheit der Dinge lebt in der Seele dessen, der sie betrachtet.
Darum gibt es in Wahrheit nichts zu verteidigen.
Die Beschäftigung mit Naturfotografie kann der Seele eine ähnliche Entlastung und Ruhe geben wie eine Meditation, ja… kann eine Art Meditation sein….meine ganz persönliche Erfahrung.
Unsere Generationen können noch die Erde als Existenzgrundlage und die Schönheiten der Natur als Geschenk begreifen.
Angesichts drohender globaler Entropie, kann man schon heute wahrnehmen, wie Verstöße gegen die Natur, vergangener und gegenwärtiger Generationen, auf die Unschuld werdenden Lebens mit dem Recht auf Zukunft treffen.
Es ist zu hoffen, dass noch viele Generationen dieses Recht auf Zukunft erleben dürfen und die wundersame Präsenz der Natur und die faszinierende Naturfotografie genießen können.
Marcel DEBRA